Musical Fidelity Hintergründe  

Interview mit Antony Michaelson  

 

Musicalfidelity_interview: Zum Vergrössern bitte klicken Musical Fidelity feiert dieses Jahr sein dreißigstes Jubiläum. Wie fühlt sich das an?  

AM: Überraschend, weil die dreißig Jahre wie im Flug vergangen sind. Zwischendurch gab es Zeiten, da dachte ich, „das war’s, wir sind am Ende“. Aber ich bin kein Freund von Niederlagen; also haben wir uns durch all die Liefer-Krisen, Herstellungs-Pannen und Cashflow-Probleme gekämpft, was es umso erfreulicher für uns macht, diesen Punkt erreicht zu haben.  

Kürzlich traf ich jemanden aus der Branche, der sagte, „Oh, Sie sind eine Legende!“. Ich nehme an, das soll heißen, dass ich schon eine ganze Weile im Geschäft bin und erstaunlicher Weise immer noch quicklebendig – wofür ich den zehntausenden Menschen danken möchte, die Musical Fidelity Produkte besitzen, und all jenen, deren Talent und harte Arbeit uns dahin gebracht haben, wo wir heute stehen.  

 

Welchen guten Rat würden Sie rückblickend ihrem jüngeren Ich geben?  

AM: Als ich die Firma gründete, erzählten mir eine Menge Leute, dass es im Markt keinen Platz für eine weitere Verstärker-Marke gäbe. Ich habe damals nicht auf sie gehört und würde mein jüngeres Ich darauf hinweisen, dass Weisheiten aus zweiter Hand des Öfteren nicht richtig sind.  

Ich würde es auch warnen, dass Händler immer das wollen, was man nicht hat, selbst wenn das Produkt speziell unter Berücksichtigung Ihrer Anforderungen entwickelt wurde... Da gibt’s nichts zu gewinnen, also halte an Deinen Überzeugungen fest und Du wirst einige kostspielige Fehler vermeiden können! Natürlich habe ich auch etliche Fehler aufgrund meines eigenen Urteils gemacht. Nur waren die unvermeidlich.  

Ich habe viel zu lange gebraucht, um einige fundamentale Prinzipien zu verstehen. Heute würde ich meinem jüngeren Ich den Rat geben, auf das äußere Erscheinungsbild des Produkts ebenso viel Mühe zu verwenden wie auf die Elektronik. Im Audiobereich gibt es ein Limit, was die Kosten der Technik betrifft, weil man eben nur eine gewisse Anzahl an Komponenten braucht, um einen umwerfenden Verstärker zu bauen. Der muss dann aber auch entsprechend aussehen.  

Die Elektronik kann atemberaubend gut sein, aber wenn die Anlage plump aussieht, wird sich keiner vorstellen können, was in ihr steckt. Diese Erkenntnis traf mich förmlich wie ein Blitz, als bei einer italienischen HiFi-Show wirklich hinreißend schöne Lautsprecher gezeigt wurden. Es schien hier fast so, als sei völlig egal, wie sie klingen, Hauptsache, sie sehen gut aus …  

Für mich persönlich stand die Elektronik immer an erster Stelle und die bestmögliche Klangwiedergabe ist mein Heiliger Gral. Wenn man aber auf unsere ersten Produkte zurückblickt, kann man sehen, wie weit wir seit damals auch unsere Ästhetik, das Industrial Design, weiterentwickelt haben – in Ergänzung zur Qualität der Technik.  

 

Das klingt, als wären Sie nur Hersteller von Audio-Geräten geworden, weil Sie selbst ein Audiophiler sind...?  

AM: Der Grund war eher, dass ich leidenschaftlicher Musikliebhaber war und immer noch bin. Ich ging auf ein Musik-Konservatorium und suchte nach Möglichkeiten, meinen Lebensunterhalt zu bestreiten, als ich jemanden kennenlernte, der Röhrenverstärker bauen und verkaufen wollte. Ein paar Jahre lang machten wir einige interessante Verstärker mit großen Röhren und diesem warmen, üppigen Röhren-Sound. Die Firma ging pleite, aber bei mir blieb die Idee hängen, dass man möglicherweise von HiFi leben kann.  

Einige Jahre später hatte ich von dem mittelmäßigen Preamp in meiner eigenen Anlage – genug. Also entwickelte und baute ich mir meine eigene Vorstufe. Ein befreundeter HiFi-Händler hörte sie sich an und bestellte ein paar Stück. Kaum standen sie in seinem Laden, waren sie auch schon ausverkauft – gleich am ersten Wochenende. Er bestellte mehr. Fast zufällig war ich also zurück im HiFi-Geschäft.  

 

Musical Fidelity hat im Lauf der Jahre Dutzende Produkte herausgebracht, einschließlich einiger Klassiker. Warum so viele?  

AM: Manche werden sagen, zu viele, aber wir müssen ständig auf den Druck des Marktes reagieren. Wir müssen produzieren, was die Leute haben wollen. Manchmal verfolgen wir eine Idee bis zu ihrer logischen Vollendung und das Ergebnis floppt. Aber im Verhältnis dazu hatten wir genug erfolgreiche Produkteinführungen, um zu wachsen und zu gedeihen.  

 

Welches Produkt ist Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben?  

AM: Viele, aber dieses eine möchte ich nennen: Mit dem A1 haben wir eine gänzlich neue Verstärker-Klasse kreiert: ‚Budget audiophil“. Wir haben Verstärker mit Röhren entwickelt, welche mit reiner Class A-Schaltung und irrsinnige Hochleistungs-Transistor-Amps. Dazu haben wir mit bizarren Gehäusen und sehr eigenwilligen Kühlsystemen experimentiert. Es läuft immer so: Ich träume mir etwas zusammen, die Leute in der Forschungs- und Entwicklungsabteilung erklären mir, warum das nicht möglich ist – und dann zaubern sie doch technische Wunderwerke.  

Letztendlich wollen wir immer besser werden in dem, was wir tun. Deshalb bemühen wir uns stets um die weitere Optimierung von technischer Performance, Klangqualität oder Preis-Leistungsverhältnis. Wir haben gelernt, dass es immer einen Weg gibt, etwas zu verbessern, egal, wie gut es schon ist.  

 

Nach so langer Zeit müssten Sie im HiFi doch eigentlich schon alles gesehen und getan haben, oder?  

AM: Nicht mal ansatzweise. Stellen Sie sich die Entwicklung von Verstärkern als Variationen über ein Thema vor: Mit jedem neuen Produkt erkunden wir unterschiedliche Aspekte der Grundidee, und das kann zu spannenden Entdeckungen führen. Außerdem ändert sich viel im Audio (Hi-Fi, Audio-Wiedergabe?) und wir erobern uns gerade neue Gebiete. Seien Sie sich sicher: Wir haben noch einige Überraschungen im Ärmel!  

 

 

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